Wie grün ist dein Gärtnern? – Torf
Welche klimaschädlichen Praktiken im Garten oft übersehen werden
Wer im eigenen Garten Gemüse anbaut oder Hühner hält, erfreut sich an lokal erzeugten, frischen Lebensmitteln. Grundsätzlich sind der Eigenanbau und Grünflächen in Städten und Dörfern sehr begrüßenswert. Doch nicht jeder Garten mit saftig grünem Rasen, üppigen Rosengewächsen und makellosen Zucchini ist ein Stück Natur. In einem Garten können unerwartet viel Chemie und artenarme Künstlichkeit stecken.
Gärtnerische Praktiken, die Klima und Biodiversität schaden
In den nachfolgenden gärtnerischen Aspekten ist es möglich, mit dem eigenen Garten zum Klima- und Artenschutz beizutragen – oder aber ungewollt/unbewusst höhere CO2-Emissionen zu verursachen, Naturgebiete (insbesondere Moore) zu zerstören, das Grundwasser zu belasten und der heimischen Flora und Fauna zu schaden:
- torfhaltige Erde
- übermäßige Düngung
- Pflanzenschutzmittel
- Wasserverbrauch
- Artenwahl
- Gartenbau-Materialien, Gartencenter & Co
Ganz grundsätzlich ist zu bedenken: Die Dosierung von sowohl Dünge- als auch Pflanzenschutzmittel ist beim Gärtnern eine Herausforderung. Da sich die zu behandelnden Pflanzen oft in einem kleinflächigen Bereich befinden und synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel meist in hochkonzentrierter Form vorliegen, ist es erstens nicht leicht, die richtige Verdünnung des Mittels herzustellen und zweitens ist dessen räumliche begrenzte Ausbringung oftmals unweigerlich mit einem Zuviel verbunden. Häufig meint es der/die Gärtner(in) auch „(zu) gut“ und bringt lieber etwas zu viel des Dünge- bzw. Pflanzenschutzmittels aus als zu wenig. Schließlich besitzt man nur wenige Pflanzen, und diese sollen möglichst gut tragen…
Torfhaltige Erde und die Auswirkungen des Torfabbaus
Torf ist ein organisches Sediment, das in Mooren entsteht: Durch die anaeroben (sauerstofflosen), sauren Bedingungen in einem Moor zersetzen sich pflanzliche Substanzen nur unvollständig. Was viele nicht wissen: Torf stellt das erste Zwischenprodukt im langen (Jahrmillionen dauernden) Prozess der Kohleentstehung dar. Auch die Entstehung von Torf geht sehr vonstatten – als Durchschnittswert für die Torfablagerung in einem Moor gilt ein Mittelwert von 1 mm pro Jahr.
Der Torfabbau ist vor allem der Pflanzenindustrie und dem Gartenbau verschuldet, da Torf bzw. torfhaltige Gartenerde leicht und locker ist, sodass Luft und Wasser gut an die Wurzeln der Pflanzen gelangen. Zudem sind die Abbau- und Produktionskosten sehr gering sind, er setzt „nur“ eine Entwässerung des Moors voraus. Die Trockenlegung setzt allerdings riesige Mengen von CO2 frei, da in einem Hektar Moorboden 2-4 t Kohlenstoffdioxid (CO2) gespeichert sind. Weitere negative Effekte des Torfabbaus sind der Verlust riesiger Wasserspeicher und zerstörte Landschaften mit dem Verlust seltener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Der Verzicht ist auf Torf bzw. torfhaltige Erde im Gartencenter ist aktiver Natur-, Klima- und Hochwasserschutz.
Alternativen zu torfhaltiger Erde[1]
- Bodenverbesserung: Die Eigenschaften von Torf machen ihn ohnehin ungeeignet für die Verbesserung des Gartenbodens, denn er ist nährstoffarm, meist sauer und enthält keine Bodenlebewesen. Ganz im Gegensatz zum Kompost, der in keinem Garten fehlen darf und den natürlichen Nährstoffkreislauf schließt.
- Blumenerde: Für den Einsatz als Blumenerde sind torffreie Alternativen erhältlich. Diese setzen sich meist aus Kompost, Rindenhumus oder Holz- und Kokosfasern zusammen. Man kann stattdessen auch den eigenen Gartenkompost verwenden.
- Anzuchterde: Für das Vorziehen von Jungpflanzen ist eine nährstoffarme, lockere Anzuchterde notwendig. Deshalb sollte man nicht normale Blumenerde oder frischen Kompost verwenden. Spezielle Anzuchterden kann man auch in der torffreien Variante kaufen. Oder man stellt sie selber her, indem man seinen eigenen reifen Kompost mit Gartenerde und etwas Sand mischt. Um Pilzkrankheiten an Jungpflanzen zu vermeiden den Kompost vorher bei 150 °C eine halbe Stunde im Ofen sterilisieren.
Zuletzt sei erwähnt, dass die Beschriftung mit „torfreduziert“ auf diversen Säcken mit Gartenerde zwar ökologisch(er) klingt, dies aber ein Marketingmittel ist. Wer gänzlich torffreie Erde kaufen möchte, findet diese auch.
In den folgenden Wochen werden weitere Beiträge zu den Themen Düngung, Pflanzenschutzmittel, Wasserverbrauch, Artenwahl und Gartenbau-Materialien, Gartencenter & Co folgen.
Quellen:
Hawes, J.K., Goldstein, B.P., Newell, J.P. et al. Comparing the carbon footprints of urban and conventional agriculture. Nat Cities 1, 164–173 (2024). https://doi.org/10.1038/s44284-023-00023-3 oder die „leichter verdauliche“ Besprechung dazu in Der Standard: „Wenn Gemüse aus der Stadt weniger nachhaltig ist als Lebensmittel vom Land“ von Julia Sica, veröffentlicht am 23.01.2024, https://www.derstandard.de/story/3000000204088/wenn-gemuese-aus-der-stadt-weniger-nachhaltig-ist-als-lebensmittel-vom-land (abgerufen am 27.03.2024)
Das Who’s Who im quietschfidelen Garten – Giftfreies Gärtnern. Eine Plattform von GRÜNE LIGA Berlin e.V., Beitrag „Torf“, https://www.giftfreiesgaertnern.de/wissensplattform/wissenswertes/torf/ (abgerufen am 28.03.2024)
Beitragsbild: Torf mit erkennbaren Pflanzenresten von Elke Freese, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Torf.jpg; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz
[1] Entnommen von https://www.giftfreiesgaertnern.de/wissensplattform/wissenswertes/torf/
28. März 2024 @ 21:21
hallo Christina
Danke für das Einbringen dieses wichtigen Themas. Ich hätte gedacht, dass das mit dem Torf in diesen Gartenerden schon lange gegessen ist. Ich glaub die CH Gartenbau Läden verkaufen sowas nicht mehr. Aber in Österreich scheint da einiges an Verwirrung zu herrschen. Herrlich wie sich das der Gerald Dunst über einen wirren ORF Beitrag richtig aufregt:
https://www.youtube.com/watch?v=9oUsvQG51AM
Gibts da eine Torf Lobby in Österreich?
Frohe Ostern!
lg Roman
12. April 2024 @ 20:58
Hallo Roman,
die Schweiz ist uns da wohl voraus – wusste gar nicht, dass bei euch keine torfhaltigen Erden mehr erhältlich sind?
Danke für den Beitrag von Gerald Dunst 😉 Die Sache ist zwar ernst, aber etwas Humor hilft manchmal, damit umzugehen.
Torf Lobby – gibt es nicht für alles, womit man Geld machen kann, eine Lobby?
LG Christina